Entscheidung Neuregelung Organspende in Deutschland – Erklärung (Berlin/Ndb)

Neue Organspenderegelung

Im Bundestag haben die Abgeordneten am Donnerstag über ein neues Gesetz zur Organspende zunächst debattiert und danach abgestimmt. Die Schlüsselfrage lautete, ob künftig jeder automatisch zum Organspender wird, wenn er oder sie nicht aktiv widerspricht. Aktuell gilt in Deutschland nur derjenige als Organspender, wenn er oder sie sich selbst freiwillig dafür entschieden hat – schriftlich festgehalten in Form eines Organspendeausweises. In Europa ist das jedoch die Ausnahme. In 20 der insgesamt 28 EU-Länder gilt mittlerweile nämlich die sogenannte Widerspruchslösung. Diese legt fest, dass alle Bürger als Organspender gelten, wenn sie nicht explizit widersprechen. Statistiken belegen, dass genau diese Regelung in vielen Ländern sehr gut funktioniert. So ist die Anzahl der Organspenden pro eine Millionen Einwohner in Spanien beispielsweise mit 48 mehr als viermal so hoch wie in Deutschland, wo es nur knapp elf sind. In Deutschland warten derzeit mehr als 9.000 Menschen auf lebensrettende Nieren, Lebern, Lungen oder Herzen. Im Jahr 2019 gab es lediglich 932 postmortale Organspenden in Deutschland. Eine weitere Alternativ-beziehungsweise Kompromisslösung: die frühzeitige Aufklärung in Bezug auf die Organspende bei beispielsweise der Personalausweisverlängerung oder dem regelmäßigen Arztbesuch.